Ohne Daten kein Kredit? – LfDI verwarnt Auskunftei

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Schöne Grüße, Ihr Stephan Frank
SFC | Stephan Frank Consulting

HINWEIS: Der Text stammt nicht direkt von mir / diesem Projekt. Das Original finden Sie hier: Ohne Daten kein Kredit? – LfDI verwarnt Auskunftei

Ohne Daten kein Kredit? – LfDI verwarnt Auskunftei

Wer einen Kredit beantragen will, braucht eine gute Bonität. Doch auf welchen Grundlagen entscheidet die Bank eigentlich über die Kreditvergabe? Nun wurde bekannt, dass der Bonitätswert eher in den Keller geht, wenn wenige Daten zum Antragsteller vorhanden sind. Wir haben uns das einmal genauer angeschaut.

Was machen Schufa und Co. eigentlich?

Die Bonität einer Privatperson oder eines Unternehmens wird durch Wirtschaftsauskunfteien bewertet. Die bekanntesten Vertreter sind die Schufa Holding AG oder die Unternehmensgruppe creditreform. Doch wie wird meine Bonität ermittelt bzw. bewertet? Dies erfolgt auf Grund von Wahrscheinlichkeiten, den sogenannten „Scorewerten“. Diese Wahrscheinlichkeiten selbst werden – welche Überraschung – aus einer Vielzahl von Datensätzen gebildet. Und dabei gilt das Motto: je mehr, desto besser!

Wirtschaftsauskunfteien beziehen ihre Daten aus verschiedenen Quellen. Neben der aktiven Einholung von Informationen, beispielsweise durch Selbstbefragungen von Unternehmen oder natürlichen Personen, halten vor allem öffentlich zugängliche Datenbänke wie Handelsregistereinträge, Firmengründungen oder Mitteilungen im Bundesanzeiger eine Vielzahl von interessanten Fakten wirtschaftlicher Art bereit. Und haben Sie gewusst, dass man z. B. jede Eröffnung eines Insolvenzverfahrens im Internet finden kann? Dies zeigt, wie viele Wirtschaftsdaten im Umlauf sind, deren man sich oft gar nicht bewusst ist. Von der Zusammenarbeit von Auskunfteien mit Inkassobüros ganz zu schweigen.

Geld oder Liebe… ähh, Daten

Und was hat das Ganze mit Datenschutz zu tun? Ganz einfach, die Praxis vieler Wirtschaftsauskunfteien steht derzeit auf dem Prüfstand. Beim Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Württemberg (LfDI) häufen sich nach eigenen Angaben Beschwerden über die Datenerhebung bzw. -auswertung einschließlich der dazu gehörenden Berechnungsverfahren. Schon mehrmals in der Vergangenheit wurden Fälle bekannt, dass Wirtschaftsauskunfteien falsche oder veraltete Datensätze verwenden. Dies kann natürlich für den jeweiligen Betroffenen ernste finanzielle Folgen haben. Im Extremfall wird ein Kredit oder ein Leasingvertrag für ein Fahrzeug verweigert, was wiederum Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb des Betroffenen haben kann.

Die aktuellen Beschwerden, welche in Stuttgart eingegangen sind, richten sich allerdings gegen Bonitätsbewertungen, bei welchen nicht vorliegende Daten und Informationen dazu geführt haben, dass der Scorewert niedrig ausfiel und der Kreditrahmen dementsprechend gering eingestuft worden ist. Vereinfacht gesagt wurde festgestellt, dass die Unternehmen und Personen, von welchen wenig bis keine Datensätze vorhanden waren, kaum Chancen hatten, den begehrten Kredit zu erhalten. Man kann es aber auch so ausdrücken: Je mehr Daten ich über dich habe, desto eher bekommst du frische Kohle!

Der Redliche wird bestraft

Wenn Sie jetzt ein seltsames Bauchgefühl verspüren, muss das nicht an einem leeren Kühlschrank liegen. Die Erkenntnisse des LfDI muten erst einmal seltsam an, dürften aber angesichts der Wertigkeit von personenbezogenen Daten im Allgemeinen nicht wirklich überraschen. Das LfDI teilte hierzu mit, dass es von einer Auskunftei im konkreten Fall die Rückmeldung erhalten habe, dass eine positive Bewertung ohne oder mit wenig Datensätzen „zu riskant sei“. Schließlich würden sich viele potentiellen Vertragspartner der betroffenen Personen auf die Auskünfte verlassen.

Diese Vorgehensweise ist aber nicht nur datenschutzrechtlich, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht problematisch. Unternehmen, welche möglicherweise seit Jahren schwarze Zahlen schreiben und im Regelfall über eine hohe Liquidität verfügen, würden sicherlich für die allermeisten Unternehmer und Verbraucher sehr angenehme und vertrauenswürdige Vertragspartner darstellen. Wenn diese Unternehmen aber am Kreditmarkt bislang nicht tätig waren – einfach aus dem schlichten Grund, dass sie dafür überhaupt keinen Bedarf hatten –, nun aber notwenige und zukunftsweisende Investitionen anstehen, steht dieses Unternehmen vor dem Problem, woher es finanzielle Ressourcen bekommen soll. Dies kann eigentlich nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Das LfDI greift durch

Der oberste Datenschützer Baden-Württembergs, Dr. Stefan Brink, hat dazu eine ganz klare Meinung:

„Es ist nicht hinnehmbar, dass Unternehmen oder Privatpersonen gezwungen sind, ihre Daten gegenüber Wirtschaftsauskunfteien preiszugeben, wenn ihnen sonst eine schlechte Bewertung droht“.

Dieser Aussage kann man aus datenschutzrechtlicher Sicht nur voll und ganz zustimmen. Nur so kann (weitestgehend) eine transparente Bewertung von Unternehmen und Privatpersonen erfolgen. Dies käme dann auch der Gesamtwirtschaft zu Gute, da dann eine höhere (Rechts-)Sicherheit für sämtliche Beteiligte herrscht. Anderenfalls droht immer die Gefahr, dass viele potenzielle Vertragspartner den niedrigen Scorewert auf schlechtes Verhalten am Markt in der Vergangenheit zurückführen. Dr. Brink mahnt hierzu weiter:

„Der Legitimation solcher Bewertungen unter dem Deckmantel der ‚Meinungsfreiheit‘ treten wir entschieden entgegen. Denn auch wenn Auskunfteien ihre ‚Meinungen‘ über die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Personen verbreiten, bedarf es eines wahren und überprüfbaren Tatsachenkerns. Andernfalls stehen das wirtschaftliche Fortkommen und das Ansehen von unbescholtenen Unternehmen und Privatpersonen auf dem Spiel.“

Automatisierte Entscheidung oder Einzelfallprüfung?

Aus datenschutzrechtlicher Sicht stellt sich die entscheidende Frage, ob die bemängelte Vorgehensweise gegen Art. 22 DSGVO bzw. § 31 BDSG verstößt. In Art. 22 Abs. 1 DSGVO heißt es:

„Die betroffene Person hat das Recht, nicht einer ausschließlich auf einer automatisierten Verarbeitung – einschließlich Profiling – beruhenden Entscheidung unterworfen zu werden, die ihr gegenüber rechtliche Wirkung entfaltet oder sie in ähnlicher Weise erheblich beeinträchtigt.“

Paragraph 31 Abs. 1 BDSG bestimmt dazu ergänzend:

„Die Verwendung eines Wahrscheinlichkeitswerts über ein bestimmtes zukünftiges Verhalten einer natürlichen Person zum Zweck der Entscheidung über die Begründung, Durchführung oder Beendigung eines Vertragsverhältnisses mit dieser Person (Scoring) ist nur zulässig, wenn

die Vorschriften des Datenschutzrechts eingehalten wurden,

die zur Berechnung des Wahrscheinlichkeitswerts genutzten Daten unter Zugrundelegung eines wissenschaftlich anerkannten mathematisch-statistischen Verfahrens nachweisbar für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit des bestimmten Verhaltens erheblich sind, […]“

Eine gewisse Form von einer automatisierten Entscheidungsfindung ist bei der Ermittlung des Scorewertes bzw. der Bonität ohne Zweifel vorhanden. Schließlich führen die Auskunfteien hier Datensätze aus verschieden Quellen zusammen, woraus man Prognosen für die Zukunft – also Wahrscheinlichkeiten – ableiten kann.

Datenschutzrecht darf kein stumpfes Schwert sein

Das LfDI hat vorliegend bemängelt, dass es eines „wahren und überprüfbaren Tatsachenkerns“ bedarf, um die geltenden datenschutzrechtlichen Vorschriften einzuhalten. Sicherlich sind angesichts des relativ weit gefassten Wortlauts der Normen mehrere Ansichten vertretbar. Hinzu kommt, dass es sich bei den exakten Algorithmen um Geschäftsgeheimnisse der jeweiligen Wirtschaftsauskunftei handelt, so dass die exakte Berechnungsmethode im Einzelnen nicht bekannt ist.

Das Handeln des LfDI ist dennoch konsequent. Das Ende von Lied war, dass das LfDI eine in Baden-Württemberg ansässige Auskunftei kostenpflichtig verwarnt hat. Die volle Breitseite des Bußgeldkatalogs hat die Auskunftei also nicht abbekommen. Das LfDI hat aber angekündigt, dass der Markt nun unter besonderer Beobachtung steht. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch tatsächlich ernst gemeint war. Anderenfalls bliebe das Datenschutzrecht ein stumpfes Schwert und man würde ihm lediglich einen Bärendienst erweisen.


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Diesen Artikel finde ich sehr interessant und lesenswert, allerdings stammt der Text nicht von mir / diesem Projekt. Dieser Post stammt ursprünglich von: Dr. Datenschutz (Info leider im Original-Beitrag ggf. nicht enthalten) und natürlich liegen alle Rechte beim Verfasser / Rechteinhaber. Hier geht's zum Original: Ohne Daten kein Kredit? – LfDI verwarnt Auskunftei.

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