Schützt der Mundschutz vor biometrischer Gesichtserkennung?

Schützt der Mundschutz vor biometrischer Gesichtserkennung?

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Die Corona-Krise hat immer noch unser aller Leben im Griff. Nun macht das Virus auch der Technik zu schaffen, wenn auch nur mittelbar. Eine Studie aus den USA hat gezeigt, dass Gesichtserkennungssoftware mit dem Mundschutz so ihre Probleme hat.

Gesichtserkennung im Alltag

Man mag es kaum glauben, aber es gab tatsächlich eine Zeit vor Corona, als andere Themen die Tagesordnung bestimmten. Damals, aber auch heute noch, war ein brandaktuelles und umstrittenes Thema: Gesichtserkennungstechnologien.

Unbestritten ist, dass die Verbreitung der Gesichtserkennung im Alltag weiter zu nimmt. Neben professionellen Kameras und Computersystemen ist die Technologie, seit dem Release des iPhone X von Apple, auch in modernen Smartphones verbaut. Über die Gesichtserkennungssuchmaschine PimEyes hatten wir vor kurzem berichtet. Nicht zu vergessen ist natürlich der Einsatz solcher Programme in Überwachungssystemen, die an öffentlichen Plätzen und Straßen verwendet werden.

Wie funktioniert die biometrische Gesichtserkennung?

Bei der biometrischen Gesichtserkennung wird über eine Kamera das Gesicht einer Person aufgenommen und mit einem oder mehreren zuvor gespeicherten Gesichtsbildern verglichen. Dabei wird zunächst das Bild z. B. in einem PC digitalisiert. Die Erkennungssoftware lokalisiert sodann das Gesicht und berechnet seine charakteristischen Eigenschaften. Das Ergebnis dieser Berechnung, das sog. Template, wird mit den Templates der gespeicherten Gesichtsbilder verglichen. Da jedes menschliche Gesicht anders ist, kann man mit Hilfe solcher Aufnahmen eine Person wiedererkennen.

Gesichtserkennung in Zeiten von Corona

Aus gegebenem Anlass hat das amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST), welches für Technologiestandards zuständig ist, kürzlich Gesichtserkennungssysteme getestet. Dabei wurden ausschließlich Gesichtserkennungsprogramme untersucht, die aus Algorithmen bestanden, welche vor der Pandemie erstellt wurden. Dem Bericht zufolge gelang es selbst den besten der 89 getesteten Systeme nicht fehlerfrei, den digital angebrachte Mundschutz mit einem Kontrollporträt desselben unbedeckten Gesichts abzugleichen.

Das Forschungsteam untersuchte die Fähigkeit jedes Algorithmus im sogenannten „Eins-zu-eins“-Abgleich, was auch beim Entsperren von Smartphones oder bei Passkontrollen zum Einsatz kommt. Bei diesem werden zwei Fotos derselben Person einander gegenübergestellt, wobei durch digitale Retusche mit verschiedenen Maskenformen das Originalbild verändert wurde.

Natürlich unterscheiden sich der Mundschutz in der realen Welt und das Verständnis jeder Person, wie sie zu tragen sind. Die meisten Menschen tragen chirurgische oder wiederverwendbare Stoffmasken, während einige sich einfach ein Kopf- oder Halstuch um ihr Gesicht binden. Um den Test so realitätsnah wie möglich zu gestalten, führte das NIST diesen in neun Varianten durch, darunter Unterschiede in Form, Farbe und Nasenbedeckung.

Die Erkennung von Gesichtern versagt vorerst

Bei der Verwendung von unmaskierten Bildern liegen die Fehlerraten der Algorithmen bei etwa 0,3 Prozent, was als eine unbeachtliche Fehlerrate einzustufen ist. Diese steigt aber an, sobald die Nase und der Mund einer Person bedeckt werden. Selbst die Elite-Programme erreichen hier eine Fehlerquote von fünf Prozent. Bei „ansonsten kompetenten“ Programmen liegt man bei 20 bis 50 Prozent. Die NIST stellte auch fest, dass die Algorithmen besonders allergisch auf dunkle, voll deckende Masken reagieren. Diese hindern das System daran, den üblichen Prozess des Messens und Vergleichens der Gesichtszüge der Person abzuschließen.

Wie eingangs erwähnt, wurden hier nur Algorithmen verwendet, die vor der Pandemie entwickelt worden sind. Diese wurden nicht für den Alltag in Corona-Zeiten konzipiert, sprich sind nicht für den Umgang mit Gesichtsmasken entwickelt worden. Das nimmt die NIST nun zum Anlass, im Laufe des Jahres Algorithmen zu untersuchen, die sich an die aktuellen Gegebenheiten angepasst haben.

Was heißt das nun?

Nun, da die Gesichtserkennung fehleranfälliger geworden ist, kann man in der Welt des Datenschutzes aber mal so richtig schön tief durchatmen, oder nicht? Nein, kann man nicht! Genauer gesagt, sollte man nicht! Die biometrische Gesichtserkennung bleibt ein zentrales Thema unserer gesellschaftlichen Zukunft. Man sollte bei der Gesichtserkennung weiter besonders achtsam bleiben, da es unser unverkennbarstes Datum ist. Unser Gesicht macht uns einzigartig und hebt uns von unserem Nachbarn ab.

Dass die Maskenpflicht zurzeit dazu führt, dass eine Erkennung nicht mehr so erfolgreich verläuft, sollte die Diskussion um den Einsatz solcher Software nicht erlahmen lassen. Die Maskenpflicht soll uns und unsere Gesundheit schützen. Ein Schutz unserer personenbezogenen Daten kann sie nicht gewähren, denn die Testergebnisse der amerikanischen Behörden sind nur eine Momentaufnahme. Die Folgen solcher Untersuchungen werden eine Anpassung der Algorithmen sein. Bis diese vollzogen sind, wird es nicht lange dauern. Dann wird sich die Gesichtserkennung wieder in niedrigeren Fehlerbereichen einpendeln, was Datenschützer wieder zu mehr Wachsamkeit veranlassen sollte.


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Diesen Artikel finde ich sehr interessant und lesenswert, allerdings stammt der Text nicht von mir / diesem Projekt. Dieser Post stammt ursprünglich von: Dr. Datenschutz (Info leider im Original-Beitrag ggf. nicht enthalten) und natürlich liegen alle Rechte beim Verfasser / Rechteinhaber. Hier geht’s zum Original: Schützt der Mundschutz vor biometrischer Gesichtserkennung?.